Passionsspiel in Oberammergau
   1871



Einige Ratschläge aus der „Gartenlaube"  des Jahres 1871 für Reisende, die das Passionsspiel in Oberammergau  zum Beispiel auf dem Wege über den Walchensee mit Übernachtung  in der Post Walchensee besuchen.

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Poststelle und Gasthof "Post" in Walchensee um 1871

 
„Am  24. Juni  begann die Wiederaufnahme der durch den Krieg unterbrochenen  Passionsvorstellungen in Oberammergau .

Da wohl mit Recht vorausgesetzt werden darf, daß besonders die aus entlegneren Gegenden nach dem Schauplatz dieses merkwürdigen Kunstphänomens Reisenden sich auch ein wenig in der Umgegend werden umsehen wollen, die diese Mühe übrigens auf das Reichlichste lohnt  so glaubt die Gartenlaube eine angenehme Pflicht zu erfüllen, wenn sie ihren Lesern einige durch reichhaltige Erfahrung erprobte Rathschläge mit auf den Weg giebt, mit denen wir sogleich beginnen wollen.
Zuerst versehe sich jeder Reisende mit einem guten Plaid oder einer wollenen Decke; denn die Betten in den bairischen  Ge-birgswirths-und Privathäusern pflegen, was Wärme und  Bequemlichkeit  betrifft , auch hinter den bescheidensten Anforde-rungen zurückzubleiben, die man an dieses für Reisende wichtigste Hausgeräth zu stellen berechtigt ist.

Was die Weiterbeförderung überall dort, wo die Eisenbahnen aufhören, anbetrifft, so empfehlen sich ganz besonders zwei Arten derselben:

Entweder in einer guten Lohnkutsche
, die man zu 1o bis 12 Gulden auf den Tag miethen kann, oder – und das ist das eigentliche Wahre – zu Fuß. Wer aber irgend kann, vermeide es, einen königlich bairischen Postomnibus zu besteigen, der in der That nur alle jenen Bedingungen der Reise erfüllt, wie ein Fuhrwerk zur Beförderung von Passagieren nicht beschaffen sein darf.

Von hoher Schönheit ist die Tour München – Starnberg – Weil-heim – Penzberg auf der Bahn ; von Penzberg über den lieblichen Kochel – nach dem wunderbar wildschönen Walchensee
, weiter über Wallgau, Krün, Partenkirchen nach Oberau und Oberammergau.

Dieser Weg bietet eine fortgesetzte Abwechslung der anmuthigsten
, schönsten und erhabensten Hochgebirgsland-schaften.

Das Essen im Gasthaus Walchensee ist sehr gut und sehr  billig
, während die Betten ohne Anwendung der oben angeratenen Vorsichtsmaßnahmen absolut unbewohnbar sind. “
 
Für den Raum Walchensee   gab es   in dem Artikel von 1871  gottlob keinen Grund, die Reisenden vor gaunerischen Kellnerinnen zu warnen. Jedoch ist für die Route Salzburg nach München zu lesen:
  „ Zu warnen ist auf dieser Route nur vor den gaunerischen Kellnerinnen auf dem Bahnhof Rosenheim, die von österreichischem Papiergeld in der Regel  zwanzig Procent abziehen,  beim Herausgeben auf Thaler und Gulden aber österreichische Scheidemünze mit einem Verlust von oft vierzig Procent für den Empfänger einzuschmuggeln pflegen. Auch rechnen sie mit Vorliebe dem Gaste, welcher daselbst zu Mittag ißt,  den Preis für ein Glas Bier noch dann an, wenn derselbe auch gar keins getrunken hat.

Wer in Oberammergau selbst ein für die dortigen Verhältnisse erträgliches Unterkommen finden will, melde sich bei dem Gemeindevorstande beizeiten an und vermeide jeden Unterhändler; dieser Anmeldung füge er gleich die Bestellung der Plätze und lege womöglich das Geld – 3 Gulden für einen Logenplatz – bei.

Zu den anderen Plätzen ist nicht zu rathen
, sie bringen zu viele Unbequemlichkeiten mit sich. Auch für leibliche Nahrung, besonders Essen, sorge der Fremdling. Bier ist immer zu haben, und zwar vortreffliches, mit einem Kreuzer Aufschlag auf die Maß .

Es kommt aus Ettal
, einer ehemaligen großartigen Benediktinerabtei, die kein Fremder zu besuchen verabsäumen möge, denn die dortige Kirche zeigt wundervolle Wandgemälde von Knöller, und das Braustübchen daselbst sorgt für ein Labsal, wie es der Wanderer nur noch selten im Gebirge finden wird. „
 

Wie bekannt, fand das erste Passionsspiel im Jahre 1634  aufgrund des Pestgelübdes  von 1633 statt. Im Dreißigjährigen Krieg war 1632 der Schwarze Tod nach Oberammergau gekommen.

Übrigens, das  lle 10 Jahre  stattfindende Passionsspiel wurde wegen  des Krieges gegen Frankreichnicht 1870, sondern erst 1871 aufgeführt. (Daher datiert der Artikel aus der Gartenlaube aus dem Jahre 1871).
1871 war es das 26. Spieljahr, im Jahre 2000  fand das  40. Spieljahr  statt.

Unter den 1871 insgesamt ca. 40000 Besuchern waren auch Richard Wagner  und König Ludwig II.

Nun haben sich die Anreisemöglichkeiten  seitdem erheblich  verbessert und auch die Schlafstellen in den  bayerischen Hotels und Pensionen oder Privatquartieren, auch  rings um den Walchensee, sind „bewohnbar„ geworden .

Diesen Artikel hat  Friedhelm Oriwol zusammengestellt nach einem
Artikel  in  Gartenlaube  des Jahres 1871 .

Das Bild stammt  aus  dem Archiv der 
Friedhelm Oriwol - Stiftung

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